Wer ist der König unter den Einkaufsgemeinschaften?

Über 90 Prozent der Einrichtungen im Gesundheitswesen haben sich bereits einer Einkaufsgemeinschaft angeschlossen. Derzeit überprüfen aber einige Einrichtungen ihre Einkaufsgemeinschaft und bereiten einen möglichen Wechsel vor. Die Kündigungsfristen der Verträge laufen oftmals bis zum 30.09. eines jeden Kalenderjahres aus. Höchste Zeit also sich über die Leistungsfähigkeit seines Dienstleisters Gedanken zu machen. Mindestens alle vier Jahre sollte der Partner auf den Prüfstand gestellt werden. Aber zu welchem Anbieter sollte man jetzt wechseln? Welcher ist der König der Einkaufsgemeinschaften? 

 

Ich muss Sie gleich zu Beginn des Artikels enttäuschen. Denn: es gibt nicht DIE BESTE Einkaufsgemeinschaft für Alle. Wie so oft im Leben, gibt es nur den PASSENDEN Partner. Klar, es gibt  natürlich harte Kennzahlen für Umsatz und Mitgliederzahl einer Einkaufsgemeinschaft (siehe Tabelle unten). Aber welche Einkaufsgemeinschaft für meine Einrichtung die Beste ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. 

 

Folgende Fragen sollten Sie sich als Einrichtung im Gesundheitswesen deshalb vor der Entscheidung stellen:

 

  • Welche Warenkörbe stelle ich der Einkaufsgemeinschaft zur Preisanalyse zur Verfügung? 
  • Welche Warengruppen sind für meine Einrichtung entscheidend?
  • Sind meine Warenkörbe und Mengenangaben für die nächsten drei Jahre repräsentativ und konstant? (Chefarztwechsel? Änderung medizinisches Klinikmortfolio?) 
  • Sind meine Lieferanten bei der Einkaufsgemeinschaft gelistet? 
  • Habe ich alle meine Preisvergünstigungen, Rückvergütungen, Boni und Sonderleistungen meiner Lieferanten im Preisvergleich berücksichtigt? 
  • Möchte ich aus mehreren Lieferanten pro Warengruppe frei auswählen (zum Beispiel 3 Lieferanten)? 
  • Wie stark kann ich als Einkäufer oder Geschäftsführer Einfluss auf meine Chefärzte bei der Produktentscheidung ausüben? 
  • Wie erfolgt die richtige Produktabmischung in meiner Einrichtung?
  • Habe ich die volle Unterstützung der Geschäftsführung bei der Umsetzung eines Wechsels der Einkaufsgemeinschaft? 
  • Wie stark ist mein operativer und strategischer Einkauf aufgestellt?
  • Welche IT-Tools habe ich derzeit im Einkauf im Einsatz?
  • Welche IT-Tools benötige ich zur Erreichung meiner Einkaufsziele?
  • Kann mich die Einkaufsgemeinschaft bei der Umsetzung meiner Digitalisierungsstrategie unterstützen? 
  • Welche Wissensdatenbanken bieten die Anbieter an, um mein Produkt-Portfolio, Kosten und Erlöse besser steuern zu können? 
  • Welche Vor-Ort Betreuung erwarte ich von einer Einkaufsgemeinschaft? 
  • Benötige ich eine logistische Dienstleistung?
  • Möchte ich mich als Mitglied stark in die Einkaufsgemeinschaft und Verhandlungen einbinden?
  • Welche Weiterbildungsangebote sind mir wichtig?

Stellen Sie Ihren individuellen Fragekatalog auf. Hier finden Sie ein Beispiel Fragebogen zur Auswahl einer Einkaufsgemeinschaft 

Die oben gestellten Fragen lassen sich noch beliebig weiterführen. Jedes Haus muss für sich die entscheidenden Fragen aufstellen und eine Gewichtung vornehmen. Klar, die Preise einer Einkaufsgemeinschaft sind entscheidend und entsprechend hoch zu gewichten. Aber wenn sich die Top drei Anbieter Ihres Preisvergleichs nur wenige Prozentpunkte preislich unterscheiden, dann kommt es auf die Zusatzleistungen an. Welche Sie benötigen finden Sie anhand der oben gestellten Fragen heraus. 

Übersicht Einkaufsgemeinschaften (nach Umsatz und Mitgliedseinrichtungen):

Umsatz und Mitgliederanzahl sind nicht die entscheidenden Kriterien für die Auswahl einer Einkaufsgemeinschaft. Sie zeigen jedoch einen guten Überblick über die aktuell sieben marktführenden Anbieter in Deutschland. 

Ranking nach Umsatz
Ranking nach Umsatz

Weitere Zahlen, Daten, Fakten zu Einkaufsgemeinschaften:

  • Prospitalia: 553 Akutkliniken mit 136.190 Betten, 63 Klinikapotheken, 771.000 gelistete Artikel, über 400 Vertragslieferanten
  • SANA: 363 Akutkliniken, 60 Rehakliniken, 142 Senioreneinrichtungen,  616 Rahmenverträge 
  • UNICO: 17.500 Betten, 4,4 Millionen Patienten, 12 Unikliniken. Hoher Investitionsanteil am Umsatz im Vergleich zu anderen EKGs
  • clinicpartner: 173 Akutkliniken, 222 Pflege- und sonstige Einrichtungen. Sonstige Einrichtungen der Mitglieder: 22 Mitgliedsapotheken, 56 Laborstandorte in Mitgliedseinrichtungen
  • AGKAMED: 170 Akutkliniken, über 40 Klinikapotheken, mehr als 100 Altenheime und 60 weitere Einrichtungen
  • GDEKK: Schwerpunkte öffentliche Kliniken 
  • PEG: 604 Miteigentümer mit rund 2.900 Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, über 300.000 Betten. Sehr umfassendes Beratung- und Fort- & Weiterbildungsangebot (P.E.G. Akademie)
  • ELG: Spezialisiert auf Altenheime (siehe Skizze unten) 

Jetzt starten 

Wenn Sie bereits Mitglied einer Einkaufsgemeinschaft sind, dann machen Sie doch einfach einen unkomplizierten Warenkorbpreisvergleich und lassen sich die Arbeitsweise, die IT Lösungen und Dienstleistungen der Anbieter vorstellen. Fragen Sie ihre Einkäuferkollegen nach deren Erfahrungen. Fassen Sie Ihre gesammelte Ergebnisse zusammen. Überlegen Sie, was Ihnen wichtig ist. Und am Ende:  Scheuen Sie nicht den Wechsel Ihrer Einkaufsgemeinschaft durchzuführen.  Denn vielleicht haben Sie bisher auf das falsche Pferd gesetzt.


Weitere Informationen 

Sie haben noch Fragen? Dann rufen Sie mich gerne an Tel. 0177-8298372 oder schreiben Sie mir:

kontakt@zukunft-krankenhaus-einkauf.de. Ich freue mich auf den Austausch mit Ihnen. 


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Positionierung der Einkaufsgemeinschaften nach Spezialisierung (Nische) und Volumen (Umsatz/Anzahl Mitglieder)
Positionierung der Einkaufsgemeinschaften nach Spezialisierung (Nische) und Volumen (Umsatz/Anzahl Mitglieder)

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Kommentare: 6
  • #1

    Adam Pawelek (Montag, 31 Juli 2017 09:11)

    Herzlichen Glückwunsch zu einer sehr guten Übersicht über die Einkaufsgemeinschaften und der Empfehlung für das richtige Vorgehen bei der Auswahl einer Einkaufsgemeinschaft. Bei öffentlich-rechtlichen (z.B. kommunalen) Krankenhäusern gestaltet sich das Auswahlverfahren leider etwas schwieriger, weil die Mitgliedschaft als Dienstleistungsauftrag öffentlich ausgeschrieben werden muss. Die übliche Verwendung des Warenkorbs ist bei öffentlichen Vergaben ebenfalls sehr problematisch. Bei allen Abfragen des Warenkorbes sollte darauf verzichtet werden, Einzelpreise zu fordern, da dies u.U. gegen das UWG verstoßen kann. Aber wie soll man dann die Preise bewerten? Viele Fragen und Aspekte die bei der Vorbereitung einer solchen Ausschreibung - wie Sie richtig ausgeführt haben - berücksichtigt werden müssen.

  • #2

    Erhard Rüegg (Montag, 31 Juli 2017 10:24)

    Besten Dank für Ihren herforagenden Beitrag und den Benchmark der Deutschen EKG.
    Als Mitglied einer Schweizer Einkaufsgemeinschaft zeigt mir Ihre Auswertung sehr gut auf, wie wichtig es ist Verbindlichkeiten der Mitgliedshäuser gegenüber der Industrie aufzubauen, um die Verhandlungsposition auch bei einem kleineren Volumen möglichst auszuschöpfen.
    In der Auswertung wäre auch noch sehr schön, wenn man die Logistik etwas mehr durchleuchten könnte; z.B. welche der EKG verfolgen das Ziel eines gemeinsamen Zentrallagers oder verfügen bereits über eine solche Logistikplattform. Ich könnte mir vorstellen, dass die logistischen Herausforderungen zukünftig einen sehr hohen Stellenwert im Krankenhaus einnehmen werden.

  • #3

    Stefan Krojer (Montag, 31 Juli 2017 12:11)

    Herr Rüegg, guter Punkt! Die Logistik wird immer wichtiger bzw. alles aus einer Hand zu erhalten. Die Waren- und Informationslogistik sollte synchron laufen. Meines Wissens verfügen die SANA mit cliniclog und Roeser sowie clinicpartner über eigene Logistikplattformen. Die Prospitalia, PEG, AGKAMED kooperieren mit externen Logistikern. Einkauf, Logistik und IT wird Zukunft aus einer Hand kommen müssen. Nur dann ist es möglich, die neuen Chancen der Digitalisierung umfassend zu nutzen. Big Data Lösungen brauchen Daten und Informationen der kompletten Supplychain. Durch Big Data, Cognitive Computing und IoT wird neues Wissen entstehen, das Kliniken befähigt, die Qualität zu erhöhen, Wirtschaftlichkeit zu verbessern und wichtige Innovationen umzusetzen. Die Zukunft hat längst begonnen...

  • #4

    Karsten Schumacher (Dienstag, 01 August 2017 09:38)

    kein Kommentar - dafür zwei Fragen:
    1. Die 12 Häuser in der Unico machen 70% des Umsatzes einer SANA und 63% des Umsatzes der Prospitalia. Das erscheit mir sehr viel?
    2. Wo ist die HELIOS?

  • #5

    Stefan Krojer (Dienstag, 01 August 2017 12:54)

    Herr Schumacher, der UNICO Umsatz scheint tatsächlich sehr hoch für 12 Unikliniken. Das sind aber die offiziellen Zahlen gemäß UNICO Website. Die Helios ist in der Übersicht bewußt nicht vertreten. Helios ist keine offene Einkaufsgemeinschaft und deshalb nicht vergleichbar mit SANA, Prospitalia....

  • #6

    Bernd Potthoff (Dienstag, 20 März 2018 15:41)

    Die P.E.G ist nach meiner Information keine klassische Einkaufsgemeinschaft wie die 6 anderen genannten Einkaufs -
    Gemeinschaften. Es werden keine Verträge mit Lieferanten abgeschlossen, wo der Waren-Einkauf der Kliniken über eine Mengenabnahmeverpflichtung geregelt und vereinbart wird, sondern es werden Lieferverträge mit dem jeweiligen Lieferanten vereinbart, die sich auf ein Zahlung des vereinbarten Umsatzbonus an die P.E.G beziehen, der weder einer Umsatzgröße noch einer festgelegten Mengenabnahme unteriiegt.. Selbst bei einem Null-Umsatz ist der Lieferant verpflichtet, an die P.E.G den vereinbarten Umsatzbonus zu zahlen.