Klimaneutralität bis 2035 möglich – Diakonische Unternehmen ergreifen Initiative für mehr Nachhaltigkeit

Klimaschutz und Nachhaltigkeit werden für die diakonische Gesundheits- und Sozialwirtschaft zu neuen Schlüsselfaktoren. Eine Strategietagung zeigt Ansätze aus der Praxis. Die Teilnehmenden sprechen sich für ein ambitioniertes Klimaschutzziel der Diakonie aus.

  • Rund 100 Akteurinnen und Akteure beraten Strategien und Ansätze für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Diakonie
  • Große Mehrheit für Klimaneutralität bis spätestens 2035

Von der E-Mobilität in der ambulanten Pflege über den Einkauf fair erzeugter Textilien bis zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen in sozialen Einrichtungen: Die Potenziale für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft sind groß. Das Gesundheitswesen ist nach Berechnungen deutschlandweit für 5,2 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich – mehr als Flugverkehr und Schifffahrt zusammen an Treibhausgasen produzieren (HCWH: Health care climate footprint report, 2019). Ein Krankenhausbett hat in etwa die Energiebilanz von vier Einfamilienhäusern. Allein in Pflegeheimen könnten laut Bundesumweltministerium hierzulande mehr als 900.000 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. 

 

Rund hundert Akteurinnen und Akteure aus diakonischen Unternehmen haben im Rahmen einer Online-Tagung des VdDD und der KD-Bank in Kooperation mit der Diakonie Deutschland über Strategien beraten, um Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele zügig umzusetzen. "Klimaschutz ist ein Kernbestandteil strategischer Geschäftsführung", erklärte Bundesumweltministerin Svenja Schulze anlässlich der Tagung. In einer Online-Abstimmung sprach sich die große Mehrheit der Teilnehmenden (93 Prozent) dafür aus, dass sich die Diakonie das Ziel setzt, bis spätestens 2035 klimaneutral zu wirtschaften. 40 Prozent wünschen sich das Jahresziel 2030

 

Aus Sicht des Verbandes der diakonischen Dienstgeber in Deutschland e. V. (VdDD) ist die Debatte um den Klimaschutz und nachhaltige Unternehmensführung breit zu führen. "Infolge des Klimawandels drohen weltweit ökologische und soziale Verwerfungen. Die diakonischen Unternehmen stehen bereit, den Umstieg auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise mitzugestalten", sagte VdDD-Vorstandsvorsitzender Christian Dopheide. "Die Zeit drängt."

 

Rolf Baumann, Bereichsleiter Ökonomie des VdDD, erklärte: "Die Träger von Kliniken, Pflegeheimen und Kitas wollen den ökologischen Wandel proaktiv angehen." Dafür brauche es allerdings geeignete Rahmenbedingungen seitens des Gesetzgebers. "Das gilt insbesondere mit Blick auf die Refinanzierung der nötigen Investitionen. Die Einrichtungen müssen in die Lage versetzt werden, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen." 

 

Handlungsfelder: Immobilien, Mobilität und Beschaffung

Die Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) hat Aspekte des Nachhaltigkeits- und Umweltmanagements als integrale Bestandteile in ihrer Unternehmensstrategie verankert. Der Vorstandsvorsitzende Ekkehard Thiesler erklärte: "Klimaschutz ist die Aufgabe unserer Zeit und die Sozialwirtschaft ist ein großer und wichtiger Wirtschaftszweig in unserer Gesellschaft. Daher sollten diakonische Unternehmen mit hoher Ambition vorangehen. Bei der Bewirtschaftung der Gebäude, dem Einsatz von Ressourcen und der Mobilität sehen wir große Chance für die unternehmerische Diakonie, ökologische und ökonomische Verbesserungen zu erzielen."

Große Einigkeit bestand unter den Teilnehmenden über die wichtigsten Handlungsfelder für mehr Nachhaltigkeit in der Sozialbranche, nämlich die Bereiche Immobilien, Mobilität und Beschaffung. Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht sind Nachhaltigkeitsstrategien in der Sozialwirtschaft dringend geboten – so die vorherrschende Meinung. Beispielsweise werden sich fossile Energien perspektivisch weiter verteuern. Nicht zuletzt achten auch Bewerberinnen und Bewerber verstärkt auf Nachhaltigkeit.

Für die Diakonie Deutschland hat die Tagung die Nachhaltigkeitsdebatte in der Diakonie einen großen Schritt vorangebracht: "Als Diakonie wollen und müssen wir Verantwortung für unseren Beitrag zur Realisierung der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen übernehmen", so Diakonie-Präsident Ulrich Lilie. "Zusammen können wir eine gewaltige Hebelwirkung entfalten, sei es beim Thema Klimaschutz, Menschrechte oder Artenvielfalt. Nur so werden wir auch unserem christlichen Leitbild der Bewahrung der Schöpfung gerecht.“

 

Über die Strategietagung "Nachhaltigkeit"

Die "Strategietagung Nachhaltigkeit" fand am 29. und 30. April 2021 als Online-Veranstaltung mit mehr als 100 Teilnehmenden statt. Organisiert wurde die Tagung vom Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD) und der Bank für Kirche und Diakonie (KD-Bank) in Kooperation mit der Diakonie Deutschland.

 

Über die Veranstalter

Der VdDD vertritt als bundesweiter Unternehmensverband die wirtschaftlichen Interessen von rund 180 diakonischen Sozialunternehmen mit insgesamt etwa 500.000 Beschäftigten.

Die Bank für Kirche und Diakonie zählt zu den 20 größten Genossenschaftsbanken in Deutschland. Kirchliche Anlagegelder ethisch-nachhaltig zu investieren und damit soziale Projekte zu finanzieren ist das Kerngeschäft der Bank.

Die Diakonie Deutschland ist der Dachverband von Mitgliedseinrichtungen mit bundesweit rund 31.600 ambulanten und stationären Diensten wie Pflegeheimen und Krankenhäusern, Beratungsstellen und Sozialstationen in denen fast 600.000 Menschen hauptberuflich arbeiten.  

 

 

Hintergrundinformation: Das Programm des Nachhaltigkeitstages: 

 

 

PROGRAMM

Öffnen Sie hier das vollständige Programm der Strategietagung Nachhaltigkeit als PDF-Datei.

Donnerstag, 29. April 2021

14.30 Uhr Begrüßung

  • Dr. Ekkehard Thiesler, Vorstandsvorsitzender,
    Bank für Kirche und Diakonie
  • Christian Dopheide, Vorstandsvorsitzender,
    Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland

14.45 Uhr Klimawandel und European Green Deal (Video)

  • Svenja Schulze, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

15.00 Uhr Nachhaltigkeit als ethische, gesellschaftliche, betriebswirtschaftliche und kommunikative Herausforderung!

  • Marlehn Thieme, Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe e.V.,
    ehm. Vorsitzende, Rat für Nachhaltige Entwicklung, Vorsitzende des ZDF-Fernsehrates

15.15 Uhr Energie, Klima, nachhaltige Unternehmensführung: Navigieren in schwierigen Zeiten

  • Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz-Josef Radermacher, Leiter, Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung

16.00 Uhr Kaffeepause

16.15 Uhr Impulsvortrag - Wie kann die Energiewende in der Sozialwirtschaft gelingen, ohne die Unternehmen zu überfordern?

Staatssekretär Thomas Bareiß, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

16.45 Uhr Umfrage I Rückmeldungen der Teilnehmenden

17:00 Uhr Podiumsdiskussion mit:

  • Thomas Bareiß
  • Prof. Dr. Hanns-Stephan Haas
  • Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz-Josef Radermacher
  • Dr. Johannes Rückert, Geschäftsführer, Augustinum
  • Marlehn Thieme

Moderation: Christiane Wicht-Stieber, Stiftungskoordinatorin, Bank für Kirche und Diakonie

17.45 Uhr Schlusswort
Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland

18.00 Uhr Ende 1. Tag - Ausklang mit anschließendem Abendessen

 

Freitag, 30. April

9.00 Uhr Begrüßung

  • Rolf Baumann, Stv. Geschäftsführer, Bereichsleiter Ökonomie, Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland e.V. (VdDD)
  • Dr. Marianne Spieweg, Referentin Ökonomie, Zentrum Recht & Wirtschaft, Diakonie Deutschland

9.15 Uhr Nachhaltigkeit als Grundhaltung – Integration in das Leitbild, die Unternehmensführung und die Unternehmenskultur

  • Prof. Dr. Hanns-Stephan Haas, Vorstandsvorsitzender, Evangelischen Stiftung Alsterdorf
  • Prof. Dr. Johannes Rüegg-Stürm, Hochschule St. Gallen (angefragt)

10.00 Uhr Kaffeepause

10.15 Uhr Parallele Workshops (Workshop 1-4)

11.45 Uhr Mittagspause

12.15 Uhr Parallele Workshops (Workshop 5-8)

13.45 Uhr Abschlussimpuls - Nachhaltigkeit aus internationaler Perspektive

  • Thilo Hoppe, Entwicklungspolitischer Beauftragter, Brot für die Welt

14.15 Uhr Schlusswort

  • Dr. Ekkehard Thiesler

14.30 Uhr Ende der Veranstaltung

 

Workshopthemen

Bitte wählen Sie zwei Workshops aus:

WS 1: Erfahrungen mit der Gemeinwohlbilanz als Instrument zur Bilanzierung und Steuerung der unternehmerischen Nachhaltigkeit.

  • Frank Wößner, Vorstandsvorsitzender, und Daniela Does, Nachhaltigkeitsreferentin, Samariterstiftung Nürtingen

WS 2: Nachhaltigkeit in der Geldanlage

  • Christian Müller, Geschäftsführer, Arbeitskreis kirchlicher Investoren (AKI)

WS 3: „Kosten und Nutzen“ einer Nachhaltigkeitsstrategie?

  • Rüdiger Becker, Vorstandsvorsitzender, und Jenny Grünberg, Nachhaltigkeitsreferentin, Ev. Stiftung Neuerkerode

WS 4: Heutige und geplante Regulierungen und Förderungen im Bereich der nachhaltigen Gebäudebewirtschaftung

  • RegDir. Acker, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

WS 5: CO2- und Energiekostenreduzierung im Immobilienbereich

  • Henning Ellermann, Mitglied der Geschäftsleitung, Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF)

WS 6: Einführung von E-Mobilität in der ambulanten Pflege

 

  •  

    • Christoph Hermann, Betriebliches Mobilitätsmanagement, Caritas Dienstleistungs- und Einkaufsgenossenschaft eG

     

 

WS 7: United Against Waste e.V. – Reduzierung der Lebensmittelverschwendung und zugleich der Lebensmittelkosten

  • Christoph Specht, Geschäftsführer, Augustinum Service GmbH

WS 8: Nachhaltigkeit im Bekleidungsbereich (Dienstkleidung)

  • Gerhard Bröker, Prokurist, Diakonie im Kirchenkreis Recklinghausen

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