Die Klinik darf kein umzäumter Garten der großen Anbieter werden

Exklusiver Beitrag unseres Gastbloggers: Sven Kleber

 

 

Die großen Anbieter der Branche bemühen sich aktuell Insellösungen zu entwickeln, welche dem eigenen Unternehmen einen Vorteil im Wettbewerb verschaffen sollen. Es werden alte Ideen wie z.B. ein Kanban Board in den eigenen Farben des Unternehmens als Revolution und Grundstein vieler weiterer Lösungen im Klinikalltag angepriesen. Dabei ist diesen Lieferanten offensichtlich gar nicht bewusst, dass Sie so nur weitere Mauern und Zäune ziehen, welche der Entwicklung hin zu einem Smart Hospital im Weg stehen. Eine ähnliche Situation besteht heute schon im privaten Bereich des Smart Home. Jede vermeintliche Lösung benötigt eine eigene Basisstation (Bridge), da häufig nur die Schalter, Lampen sowie Sensoren des gleichen Herstellers zusammen arbeiten und nur über Umwege mit Produkten anderer Hersteller funktionsfähig werden. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Kliniken bereit sein werden, für alle Lieferanten die entsprechende Auslesetechnik bereit zu halten solange die Interoperabilität nicht gewährleistet wird.

 

Da neuen Technologien ohnehin schon mehr als genügend Hemmnisse zu bewältigen haben, sollte viel mehr das Ziel bestehen, einen gemeinsamen Standard zu definieren um die Entwicklungs- und Einführungskosten gering zu halten. Dies führt nicht nur dazu, dass die Einführung schnell erfolgen kann, sondern auch die Akzeptanz in den Kliniken steigt. Als angenehmer Nebeneffekt ist zu erwarten, dass auch Potentiale in der eigenen Supply Chain gehoben werden können. Ein ganzheitlicher Ansatz von der Produktion bis zum Ort der Nutzung bzw. des Verbrauchs sollte der Wunsch für alle Beteiligten sein. Ein RFID Code darf daher nicht erst beim Großhändler oder im Wareneingang der Klinik angebraucht werden, sondern muss direkt im Produktionswerk untrennbar mit dem Produkt je Basismengeneinheit verbunden werden.

 

Wir benötigen daher Akteure, welche die Entscheider aller Beteiligten zusammenführen und aktiv die Entwicklung vorantreiben. Eine wichtige Rolle wird daher bei den Klinikgruppen und Einkaufsgemeinschaften liegen, welche ebenfalls Ihre Kompetenzen in Bezug auf das Smart Hospital ausbauen und die Entwicklung in den Kliniken begleiten sollten. Die digitale Kompetenz von Kliniken sowie ihrer Kooperationspartner wird darüber entscheiden, in wie weit jede einzelne Klinik in Zukunft den Wandel der Zeit überleben wird. Ist der Anschluss an die technische Entwicklung einmal verloren, muss mit der Konkurrenz gerechnet werden, welche aktuell noch nicht im Rückspiegel zu sehen ist und plötzlich aus einer Seitenstraße mit disruptiven Lösungen in Erscheinung tritt.

 

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Sven Kleber

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