Schwergewichte greifen an - Zwei Einkaufsgemeinschaften im direkten Vergleich

Zukunft Krankenhaus-Einkauf hat Anfang Januar 2018 sieben Einkaufsgemeinschaften per eMail für ein schriftliches Interview angefragt (AGKAMED, clinicpartner, GDEKK, PEG, Prospitalia, SANA Einkauf, UNICO). Zwei Einkaufsgemeinschaften haben mitgemacht. An dieser Stelle nochmals herzlichen Dank an diese beiden Unternehmen. Sie tragen dazu bei, dass Kliniken die Geschäftsmodelle der Einkaufsgemeinschaften noch besser verstehen und die Zusammenarbeit verbessert werden kann. 

 

Die Einkaufsgemeinschaften werden namentlich nicht erwähnt. Erraten Sie es, um welche beiden Einkaufsgemeinschaften es sich handelt? 

Einkaufsgemeinschaft Nr. 1 



Frage 1: Ist der Preis immer noch das wichtigste für Einkaufsgemeinschaften? 

 

Wettbewerbsfähige Preise, welche es unseren Vertragskliniken ermöglichen, die Versorgung ihrer Patienten sicherzustellen und gleichzeitig profitabel zu arbeiten, sind natürlich ein Grundpfeiler unseres Angebots. Um diese für die ca. 800.000 Artikel, welche wir für unsere Vertragshäuser verhandeln, zu erreichen, arbeiten wir eng mit unseren Lieferantenpartnern zusammen. 

 

Darüber hinaus nimmt aber das ergänzende Dienstleistungsportfolio, welches wir unseren Vertragskliniken anbieten, eine immer wichtigere Rolle ein. Deswegen bezeichnen wir uns selber auch als Einkaufsdienstleister, da wir das Krankenhaus und die dort stattfindenden Prozesse als Ganzes betrachten und überall Potentiale zur Prozessoptimierung und auch Kostensenkung aufzeigen können. 

 

 

Frage 2: Anhand welcher Kriterien entscheiden sich Krankenhäuser für ihre Einkaufsgemeinschaft? 

 

Entscheidend ist unser ganzheitlicher Ansatz. Neben den guten, von uns verhandelten Konditionen in der Beschaffung von Medizinprodukten, pharmazeutischen Produkten, Investitionsgütern sowie Lebensmitteln, bieten wir ein sehr großes Portfolio an zusätzlichen Dienstleistungen an, welche nicht nur die Einkaufsabteilungen, sondern auch die Geschäftsführungen und Vorstände von Einrichtungen im Gesundheitswesen effizient entlasten.

 

Hierzu haben wir gerade in der jüngeren Vergangenheit unser Consultingangebot sukzessive erweitert, sodass wir mittlerweile neben unserem Basischeck, also der grundlegenden Analyse aller logistischen Prozesse im Krankenhaus, auf deren Grundlage Projekte zur Kostensenkung gestartet werden können, zusätzlich Beratungsangebote zur Realisierung eben solcher Projekte, anbieten. Beratend begleiten wir aber auch z.B. die Beschaffung von Anlagevermögen. Hinzu kommt unser Interimsmanagement von Einkaufsabteilungen, welches es uns ermöglicht, beispielsweise einen reibungslosen Generationenwechsel in Beschaffungsabteilungen unterstützend zu begleiten oder aber auch vorübergehende Vakanzen aufzufangen.

 

Diese breite Unterstützung unterschiedlichster Prozesse im Krankenhaus führt nicht nur dazu, dass sich viele Kliniken für uns entscheiden, sondern auch dazu, dass wir kaum Abgänge haben. Das letzte Jahr war bereits das zweite Jahr hintereinander, in welchem wir keine Vertragsklinik an den Wettbewerb verloren haben.

 

 

Frage 3: Was ist die Besonderheit ihrer Einkaufsgemeinschaft?

 

Besonders ist in erster Linie das gerade beschriebene Dienstleistungsportfolio, welches es uns über die vergangenen Jahre ermöglicht hat, uns eine führende Marktposition in allen Kernbereichen der Beschaffung im Krankenhau zu erarbeiten. Durch die fast 1200 Vertragseinrichtungen aus dem Gesundheits- und Pflegebereich sowie die über 60 Klinikapotheken, welche mit uns arbeiten, haben wir in beiden Segmenten die Markführerschaft inne. Doch nicht nur in der Breite, sondern auch in der Spitze der medizinischen Versorgung in Deutschland sind wir durch unser universitäres Cluster, welches sich explizit um die Belange der uns angeschlossenen 10 Universitätsklinika kümmert, sehr gut vertreten. Hinzu kommt unsere Tochtergesellschaft im Lebensmittelbereich, welche bereits vor der Eingliederung in die Unternehmensgruppe im Jahr 2015 Markführer im Bereich der Lebensmittelbeschaffung auf dem deutschen Gesundheitsmarkt war. 

 

Das alles bietet den uns angeschlossenen Vertragskliniken natürlich einen extremen Mehrwert an Know-How, Fachexpertise und natürlich auch die Möglichkeit zum Netzwerken, welches in unserem jährlich stattfindenden Jahreskongress ihren Höhepunkt findet.

 

Ein weiterer Aspekt welcher gerade für Verantwortliche im Einkauf, besonders aber auch für Geschäftsführer und Vorstände immer wichtiger wird, ist die Rechtssicherheit in der Beschaffung. Hier ist natürlich das Thema Compliance in aller Munde und führt zu einer erhöhten Sensibilität aller Beteiligten. Entscheidend sind aber zusätzlich auch die rechtsichere Beschaffung und die daraus resultierende Verpflichtung zur Ausschreibung öffentlicher Häuser. In diesem Bereich haben wir über die letzten Jahre in Zusammenarbeit mit juristischen Partnern eine Vergabekompetenz entwickelt, die allen unseren Vertragshäusern zugutekommt. Unter Beachtung aller Regelungen des Vergaberechts, insbesondere des Neutralitätsgebots sowie einer sauberen Dokumentation, führen wir so mittlerweile jedes Jahr eine Vielzahl an EU-konformen, europaweiten Ausschreibungen durch.

 

Die von uns zentral durchgeführten Ausschreibungen entlasten nicht nur unsere Vertragshäuser, sondern auch unsere Lieferantenpartner, und sparen so bei allen Beteiligten Zeit und Ressourcen.

 

Gleichzeitig schauen wir aber als Unternehmen auch immer nach Möglichkeiten, Einrichtungen im Gesundheitswesen durch innovative, zukunftsorientierte Lösungen noch besser unterstützen zu können. Gerade h-trak, ein australisches Unternehmen, welches seit letztem Jahr zu unserer Gruppe gehört, ist hierfür ein schönes Beispiel. Bereits seit 2002 ist h-trak in Australien und auch seit einiger Zeit in UK etabliert und ermöglicht es Kliniken, alle im Krankenhaus und im OP stattfindenden Prozesse per Scan zu erfassen und zu dokumentieren. Nicht nur das administrative Personal, sondern auch das medizinische werden so erheblich entlastet. Dieses bereits in anderen Märkten erfolgreich eingeführte Produkt wird auch die Prozesse in deutschen Krankenhäusern nachhaltig digitalisieren, somit modernisieren und effizienter gestalten.

 

 

Frage 4: Wie sehen Sie die Zukunft des Krankenhaus Einkaufs im Jahr 2025?

 

Wir sehen die wachsenden Bestrebungen aller am Gesundheitswesen aktiv Beteiligten, die Digitalisierung nachhaltig voranzutreiben und zu etablieren. Dies gilt nicht nur für uns als Einkaufsdienstleister, sondern auch für viele Krankenhäuser und natürlich Industrieunternehmen. Die durch Digitalisierung mögliche Effizienzsteigerung aller Prozesse im Krankenhaus macht das Arbeiten aller handelnden Personen nicht nur leichter, sie spart auch erhebliche Kosten. Nehmen Sie z.B. h-trak. Durch das genaue Erfassen aller verbrauchten Artikel hat das Krankenhaus die Möglichkeit, Konsignationslager auf den wirklichen Bedarf des Hauses zu minimieren, statt sich an ungefähren Werten zu orientieren. Hierdurch werden nicht nur Lagerkosten seitens der Kliniken gesenkt. Auch die Industriepartner haben weniger beim Kunden gebundenes Kapital. Der Nutzen kommt also beiden zugute, dem Einkäufer auf der einen, aber auch dem Lieferanten auf der anderen Seite.

 

Wir sind überzeugt, dass das die Zukunft des Einkaufs ist, nicht erst im Jahr 2025 sondern bereits heute, und auch bis weit über 2025 hinaus – die enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Akteure im Gesundheitsmarkt zur Effizienten Versorgung jedes einzelnen Patienten bei gleichzeitiger Profitabilität für Kliniken und auch Industrieunternehmen. Diesen Prozess möchten wir, wie auch in den vergangenen Jahren, zukünftig weiter begleiten und aktiv mitgestalten.



Einkaufsgemeinschaft Nr. 2



Frage 1: Ist der Preis immer noch das wichtigste bei Einkaufsgemeinschaften?

 

Im heutigen Zeitalter des ständigen wirtschaftlichen Drucks auf die Krankenhäuser, ist der Preis für den Bezug der Produkte nach wie vor ein wichtiges Element. Den Mitgliedshäusern müssen gute Konditionen zur Verfügung gestellt werden, damit diese wirtschaftlich arbeiten können. Dennoch verändert sich diese rein produktbezogene wirtschaftliche Betrachtung immer mehr in eine ganzheitliche Betrachtung, in der die Prozesse mit einbezogen werden, was wir auch für richtig erachten.

 

Der Weg vom Produktgruppeneinkauf hin zum „Einkauf zur medizinischen Leistung“ wird aus unserer Sicht immer wichtiger und bereits seit Jahren von uns unterstützt. Beispielhaft kann man hier die über alle Mitgliedshäuser erfolgreich durchgeführte Einführung von OP-Trays sprechen, die zur Schaffung von Standards in den Mitgliedshäusern und zur besseren Kostenkalkulation für die durchgeführten OPs führten.

 

 

Frage 2: Anhand welcher Kriterien entscheiden sich Krankenhäuser für ihre Einkaufsgemeinschaft?

 

Bei uns können die Mitgliedshäuser ca. 95% ihrer gesamten Sachkosten durch bestehende Rahmenverträge abdecken und finden somit mehr Zeit, interne Prozesse zu optimieren und Produktstandards zu etablieren, die wiederum zu weiteren Einsparungen führen.

 

Hinzu kommt, dass die Entscheidungsgewalt zur Umsetzung von Produktstandards und der Auswahl von Vertragslieferanten bei den Mitgliedshäusern liegt und somit eine enge Einbindung der Mitglieder erfolgt. Vor allem die Einbindung der Mediziner aus den Einrichtungen führt zu qualitativ hochwertigen Beschlüssen und daraus folgend auch Umsetzungen.



Frage 3: Was ist die Besonderheit ihrer Einkaufsgemeinschaft?

 

Neben der in Punkt 2 beschriebenen engen Einbindung der Mediziner und kaufmännischen Verantwortlichen aus den Mitgliedshäuser in die Entscheidungsprozesse, zählt bei uns die hohe Verbindlichkeit in Richtung der Vertragslieferanten eine große Rolle. Hierdurch ermöglichen wir diesen, in Rahmen von Mengen- oder Umsatzzusagen für abgestimmte Zeiträume, einen Forecast zu treffen und den Mitgliedern sehr gute Konditionen anzubieten.

 

Wichtig ist für uns, dass die dadurch verhandelten Vorteile zu 100% bei den Mitgliedseinrichtungen landen und kein Geld aus dem Gesundheitsmarkt gezogen wird. Zudem zählt Transparenz zu einer unserer Stärken, so dass die Mitglieder nicht nur wissen, was wir leisten, sondern auch was wir kosten und dieses Verhältnis immer zum Vorteil der Mitglieder ist.



Frage 4: Wie sehen Sie die Zukunft des Krankenhaus Einkaufs im Jahr 2025?

 

Schaffung von digitalen und logistischen Standards und Prozessen wird die Hauptherausforderung der nächsten Jahre sein. Aus diesem Grunde haben wir schon seit Jahren Logistikzentren, welche zur Unterstützung der Mitgliedshäuser in den logistischen Prozessen dienen, etabliert und werden diese weiter ausbauen. Parallel dazu erfolgt derzeit die Einführung einer eigenen e-Procurement-Plattform, die die Digitalisierung der Stamm- und Bewegungsdaten in den Mitgliedshäusern auf den aktuellen Stand bringen wird.

 

Flankiert von weiteren möglichen hausinternen Prozessen (z.B. Produktscanning zur Datenerfassung und -verwaltung gemäß MPAV), bietet diese Plattform den Mitgliedern den vollumfänglichen digitalen Datenfluss von der Stammdatenoptimierung über die EDI-Bestellung bis hin zu allen digitalen Rückdokumenten (Auftragsbestätigung, Lieferschein und Rechnung), um die Prozesse in den beschaffenden Abteilungen zu optimieren.

 


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